Wasserleben weltweit

Sauberes Trinkwasser

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Sauberes Trinkwasser und intakte Gewässerökosysteme gehören zu den wertvollsten Gütern auf der Erde. Unsere Erde ist zu 70% von Wasser bedeckt. Obwohl stehende und fließende Gewässer nur etwa ein Zehntausendstel des Wasservolumens auf der Erde beinhalten, leben 12% aller bekannten Arten in ihnen. Die Reinhaltung des Lebensraums Wasser ist daher für die Erhaltung der Artenvielfalt von größter Bedeutung. In vielen Ländern verursacht Armut oder politische Instabilität eine eingeschränkte Lebensqualität. Die finanziellen Aufwendungen für das tägliche Überleben werden dann jenen für den Bau von Kanalisation, Hygiene-einrichtungen und Wasserreinigungsinfrastruktur vorgezogen.

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Die Verunreinigung von Trinkwasser & Gewässerökosystemen in diesen Ländern ist die Folge. In Entwicklungsländern gelangen zum Beispiel bis zu 70% von industriellen Abwässern ungeklärt zurück in die Gewässer wodurch ein großer Teil verschmutzt wird. Aber auch in Industrieländern werden Gewässer dramatisch beeinflusst. Die Situation der Gewässer als Lebensraum für Tiere & Pflanzen ist dabei durch zahlreiche Einflüsse gefährdet: Der Eintrag wasser- & umwelt-gefährdender Stoffe, vor allem durch Abwässer aus Industrie, Landwirtschaft & die Verschmutzung der Gewässerufer sind die Hauptursachen für die Verschlechterung der Wasser-qualität & damit die Gefährdung des Lebensraums Wasser.

Milleniumsziele der United Nations (UN)

Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der UNO, der Weltbank, der OECD und mehreren NGOs erarbeitete im Jahr 2001 eine Liste von Zielen zur Umsetzung der Vorgaben der UN-Millenniumerklärung. Diese acht Ziele für das Jahr 2015 wurden als Millennium-Entwicklungsziele (englisch: Millennium Development Goals, MDGs) bekannt:

Mehr über die UN-Kampagne erfahren

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Im Kampf ums Überleben & beim Aufbau einer blühenden Wirtschaft ist die Umwelt scheinbar nur im Weg. Ein fataler Trugschluss. Die Industrieländer haben in ihrer Geschichte wichtige Erfahrungen mit Umweltproblemen wie schmutzigem Trinkwasser oder belastetem Boden gemacht. Nun müssen sie dieses Wissen & moderne technische Möglichkeiten zur Steigerung der Nachhaltigkeit an die Entwicklungsländer weiter geben.Zudem müssen die reichen Länder als größte Verschmutzer umweltpolitisch nachbessern. Nach wie vor sind sie es, die die Umwelt und die Biodiversität am stärksten strapazieren.
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Die ärmsten Länder sind ohne jegliches Verschulden in einen Teufelskreis geraten: Der Klimawandel verschlimmert das Armutsproblem, Armut befördert den Klimawandel. Denn arme Menschen können sich alternative Energien nicht leisten. Aufgrund ihrer schwach ausgebildeten Infrastruktur können die Entwicklungsländer durch den Klimawandel bedingten Unwettern kaum trotzen. Missernten verschärfen die Armut, Krankheiten breiten sich noch schneller aus.

Wasser als Menschenrecht

Sauberes Wasser ist seit 2010 ein Menschenrecht. Das Land Bolivien hat 2010 eine von 33 anderen Staaten unterstützte Resolution vorgelegt, die durch die Vollversammlung der 192 Mitgliedsstaaten mit großer Mehrheit angenommen wurde. Einige Staaten enthielten sich der Stimme, Gegenstimmen gab es keine.

siehe Menschenrechte

 

Sauberes Trinkwasser für die Armen

Über einer Milliarde Menschensteht kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung. Mehr als 2,6 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu grundlegenden sanitären Einrichtungen – das sind 40 Prozent der Weltbevölkerung. Und selbst da, wo das Abwasser gesammelt und aus der unmittelbaren Lebensumwelt der Menschen abgeleitet wird, ist nicht gewährleistet, dass es auch geklärt wird: große Flüsse wie der Ganges in Indien sind mittlerweile durch Abwässer so belastet, dass die Natur, bedrohte Arten wie Flussdelfine und Menschen gleichermaßen darunter leiden. Im September 2004 gründete der WWF in Zusammenarbeit mit Thames Water sowie Unternehmen wie Unilever und Nicht-Regierungsorganisationen wie CARE und WaterAid die gemeinnützige Organisation Water & Sanitation for the Urban Poor Diese will dazu beitragen, das von den Vereinten Nationen formulierte Ziel umzusetzen und bis 2015 eine erschwingliche Wasserversorgung und Abwasserentsorgung
für vier Millionen der ärmsten Menschen zu verbessern. Der Fokus auf Bewohner von großen und mittleren Städten wurde dabei ganz bewusst gewählt, da Verstädterungstrends anzeigen, dass dort in Zukunft größere Probleme bei der Trinkwasserversorgung auftreten werden als in ländlichen Regionen. WSUP will da helfen, wo konventionelle Ansätze zu langwierig sind oder scheitern.
Nachdem WSUP eine  potentielle Projektregion ausgewählt hat, werden zusammen mit lokalen Partnern die Bedingungen vor Ort begutachtet und gemeinsam Lösungsmöglichkeiten entwickelt. Die Umsetzung des Projektes erfolgt dann durch einen lokalen Anbieter. Es wird dabei besonders darauf geachtet, dass durch die Projekte keine Feuchtgebiete belastet werden oder sonstige ökologische Schäden zu befürchten sind. Derzeit gibt es Projekte in unterschiedlichen Entwicklungsstufen in Brasilien, Nicaragua, Indien und Bangladesch sowie in mehreren afrikanischen Staaten.

Kriege und politische Konflikte (Auszug aus https://www.helles-koepfchen.de)

Immer wieder kommt es zu Wasserkonflikten, zum Beispiel zwischen den am Nil liegenden Staaten: So verfügen Ägypten und Sudan über fast 90 Prozent des genutzten Flußwassers, während Äthiopien, das am unteren Teil des Nils liegt, nur ein Bruchteil des genutzten Wassers zugestanden wird. (Quelle: Katharina Wieland Müller / pixelio.de)

Bereits in den 1970er Jahren hat Boutros-Ghali, der spätere Generalsekretär der Vereinten Nationen, davor gewarnt, dass irgendwann nicht mehr Erdöl, sondern Wasser der Hauptgrund für kriegerische Auseinandersetzungen sein würde. Tatsächlich sorgen Wasserkrisen immer wieder für politische Konflikte. Viele von Wassermangel betroffenen Gebiete sind zur Beschaffung von sauberem Süßwasser von einem Fluss abhängig, der gleichzeitig auch anderen Staaten zur Wasserversorgung dient – vor allem, wenn die verschiedenen Staaten ungleiche Anteile am Einzugsgebiet des Gewässers haben, fehlt es den am untersten Abschnitt gelegenen Regionen an Wasser und es kommt zu politischen Spannungen.

Immer wieder kam es daher in den letzten Jahrzehnten auch zu gewalttätigen Konflikten, bei denen der Streit um den Zugang zu sauberem Trinkwasser im Mittelpunkt stand. Zum Beispiel sind die Flüsse Nil, Jordan oder Euphrat entscheidende Wasserquellen für die anliegenden Staaten. So verfügen die am Nil liegenden Länder Ägypten und Sudan über fast 90 Prozent des genutzten Flusswassers, während dem von Wasserknappheit betroffenen Äthiopien, das am unteren Teil des Nils liegt, nur ein Bruchteil des Wassers zur Nutzung zugestanden wird. Nicht nur gibt es Streitigkeiten um Wasser zwischen den am Nil liegenden Staaten, der Türkei und dem Irak, sondern auch in den Gebieten Israels, Jordaniens, Syriens sowie Indiens und Pakistans.

Aber auch innerhalb eines Staates bekriegen sich verfeindete Gruppen aufgrund von Wasserknappheit, so zum Beispiel in Kenia. Des Weiteren kommt es immer wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen, wenn sich die Wasserkrise in einem Land verschärft und beispielsweise die Kosten zur Wasserbeschaffung plötzlich stark ansteigen. So kam es in Bolivien und im Jemen bereits zu blutigen Protesten, die mehrere Todesopfer forderten.

Geschäfte mit dem Wasser

In Indonesien wird Trinkwasser durch die UV-A-Strahlung des Sonnenlichts keimfrei gemacht. Diese Methode zur Wasserentkeimung ist besonders in den armen Ländern verbreitet. (Quelle: SODIS Eawag, Wikimedia Commons (CC BY 3.0))

Obwohl der Zugang zu sauberem Wasser zum grundlegenden Menschenrecht erklärt wurde, spielen bei der Wasserversorgung immer häufiger wirtschaftliche Interessen eine Rolle und über das wertvolle Wasser verfügen zunehmend nicht mehr öffentliche Einrichtungen, sondern private Konzerne, die damit hohe Gewinne erzielen wollen. Deshalb spricht man oft auch von einer „Privatisierung“ des Wassers. In der Folge wird die Wasserversorgung nicht nur in den ärmeren Ländern, sondern auch in den Industrieländern mehr und mehr zum Problem.

Zur Bekämpfung der Wasserknappheit in armen Ländern wurde in den vergangenen Jahren gefordert, die Wasserversorgung zunehmend in die Hände privater Konzerne zu geben. Unterstützt wurde diese Forderung von der Weltbank, einer Sondereinrichtung der Vereinten Nationen, und dem „Internationalen Währungsfonds“ – beide Einrichtungen befassen sich mit der Regelung der Wirtschaft und des Warenhandels weltweit. Sie argumentieren damit, dass den öffentlichen Einrichtungen die Gelder fehlten und private Unternehmer die Versorgung mit Trinkwasser und Entsorgung von Abwasser deutlich verbessern könnten.

Tatsächlich hat sich durch solche Maßnahmen zur Privatisierung des Wassers die Situation in den ärmeren Ländern kaum verbessert oder sogar verschlechtert. So stiegen beispielsweise in der bolivianischen Stadt Cochabamba nach dem staatlichen Verkauf der Wasserversorgung die Wasserpreise um das Dreifache an und mühsam errichtete Brunnen in den umliegenden Gemeinden wurden gesperrt, woraufhin es im Jahr 2000 zum „Wasserkrieg“ mit wütenden Protesten innerhalb der Bevölkerung kam. Die Wasserversorgung wurde daraufhin wieder öffentlich gesteuert, doch es folgte eine Klage der privaten Unternehmer, die als Entschädigung für die künftigen Gewinne deutlich mehr Geld einforderten, als sie beim Kauf aufgebracht hatten.

Die mächtigen Unternehmen üben einen großen Druck auf die ärmeren Länder auf, die immer mehr in ihre Abhängigkeit geraten. Da die Konzerne natürlich nicht nur ihre eigenen Kosten decken, sondern auch Gewinne erzielen wollen, kommt die Entwicklung des Wassermarktes am wenigsten der armen Bevölkerung zugute. Dabei erhalten die privaten Unternehmen noch finanzielle Unterstützung in Form von hohen Krediten durch die Weltbank und andere öffentliche Geldgeber. Auf Drängen der Europäischen Union sollen viele weitere Länder ihre Wasserversorgung in die Hände privater Unternehmen geben – der EU wird dabei vorgeworfen, vor allem ihre eigenen Interessen zu verfolgen, denn die weltweit führenden Wasserkonzerne kommen aus Europa.

Auch bei uns wird Wasser immer mehr zur Ware

Sauberes Wasser gilt als Menschenrecht. Doch bei der Wasserversorgung spielen wirtschaftliche Interessen eine große Rolle und zunehmend verfügen nicht mehr öffentliche Einrichtungen, sondern private Konzerne über das Wasser, die hohe Gewinne erzielen wollen. (Quelle: piu700 / pixelio.de)

Die zwei größten Wasserkonzerne weltweit haben ihren Hauptsitz in Frankreich und heißen Veolia und Suez. In Staaten wie Deutschland wird die Versorgung der Haushalte mit fließendem Wasser durch die Kommunen, so nennt man die örtlichen Gemeinden der verschiedenen Gebiete und Städte, geregelt. Doch auch hier gehen finanziell schwache Kommunen immer häufiger Partnerschaften mit diesen mächtigen Firmen ein.

In Frankreich versorgen Veolia und Suez bereits die überwiegende Mehrheit, nämlich 80 Prozent der Bevölkerung, mit Wasser und auch in anderen Ländern wächst ihr Einfluss. Veolia versorgt in Deutschland bereits über viereinhalb Millionen Menschen mit Wasser und ist für die Abwasserentsorgung von fast fünf Millionen Einwohnern zuständig, daneben macht ebenso der deutsche Konzern RWE Geschäfte mit dem Wasser. Auch in den europäischen Ländern schreitet die Privatisierung des Wassers also weiter voran.

Kritisiert wird an der Entwicklung, dass die privaten Konzerne ein lebenswichtiges Gut zur Ware erklären und dabei hauptsächlich auf finanzielle Gewinne ausgerichtet sind. Sie handeln undurchsichtig und entziehen sich den Kontrollen durch die Öffentlichkeit, während immer mehr Menschen von ihnen abhängig sind. In der Folge können die Unternehmen die Wasserpreise bestimmen, Wasser wird für die Verbraucher meist teurer und niemand weiß, wie sich die Preise in Zukunft weiter entwickeln werden. Den privaten Wasserkonzernen wird von einigen nicht nur Undurchsichtigkeit, sondern auch Korruption, also Bestechlichkeit, vorgeworfen. Es wird befürchtet, dass auch in Europa künftig immer mehr Menschen der ausreichende Zugang zu sauberem Trinkwasser verwehrt bleibt.

Wieviel Wasser verbrauchen Menschen pro Tag (Kindernetz.de)
The Water Rooms (5 Videos über Wasser, produziert vom World Water Assessment Programme (WWAP) der UNESCO) auf Englisch!

Österreichisches Trinkwasserportal
Wasser in Zahlen (Österreich)
Gewässerschutz
Wasserqualität und Gewässerschutz

Studie: Zwei Drittel aller Menschen leiden unter Wassermangel (Die Presse, 14.02.2016) – siehe auch:

Originalartikel-Mekonnen et al. (2016) Four billion people facing severe water scarcity. Science Advances (in Englisch)

Zusammenfassung des UN-Weltwasserberichts 2017: Abwasser – Die ungenutzte Ressource

Autor: SW

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