Forschungsergebnisse des Projektes – Wimpertierchen

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Im Projekt Wasserleben wurde ein Vergleich zur Wasserqualität von Mond- und Attersee durchgeführt. Dazu wurden beide Seen von Schülerinnen und Schülern gemeinsam mit den Forscherinnen der Universität Innsbruck am jeweiligen Seeufer beprobt. Dieser Ansatz ist völlig neu und der Mehrwert, den die Kinder zur Forschung beigetragen haben kann als Grundlage für künftige Forschungsprojekte dienen. Wichtig ist bei solch einer Erhebung, dass die Arten genau bestimmt werden, da jede Art bestimmte Ansprüche an ihre Umwelt hat (z.B. in Bezug auf die Temperatur oder Futter). Die Kinder haben hier Pionierarbeit geleistet.

In den Proben im Rahmen der Forschungstage am Mond- und Attersee konnte eine Vielzahl von Wimpertierarten (Ciliaten) gemeinsam mit den Spezialistinnen Dr. Bettina Sonntag und Mag. Barbara Kammerlander unter Mithilfe von Diplombiologin Ulrike Scheffel und Natalja Ring bearbeitet und identifiziert werden.

Wimpertierchen sind sehr gute sogenannte Zeigerarten für die Gewässergüte, da sie sich innerhalb von Stunden und Tagen auf aktuelle Gegebenheiten in einem Gewässer anpassen können, indem sich teilen (klonen). Wenn sich z.B. Änderungen in der Nahrungs- oder auch Nährstoffzusammensetzung in einem Gewässer ergeben, passen sich Wimpertierchen blitzschnell an, d.h., diejenigen, denen die neuen Bedingungen zusagen, vermehren sich und andere sterben, da sie sich in ihrem Umfeld nicht mehr ‚wohlfühlen‘. Zum Beispiel fressen die einen Wimpertierchen lieber Bakterien, andere lieber Mikroalgen.

Die Ergebnisse der Auswertung aller Proben zeigen, dass die Arten an den Ufern beider Seen zu ca. 50% übereinstimmen und es sich gesamt gesehen um Zeigerarten für sehr reines bis mäßig belastetes Wasser handelt. Die gefundene Artenvielfalt war enorm, so konnten im Mondsee ca. 50 und im Attersee ca. 40 verschiedene Wimpertierarten identifiziert werden. Davon kamen 20 Arten in beiden Seen vor. Dominant waren zwei Arten, nämlich Cinetochilum margaritaceum und Litonotus cygnus und die Gruppe der sogenannten pleurostomatiden Ciliaten.

Cinetochilum margaritaceum ist kosmopolitisch verbreitet und eurysaprob, das heißt, dieses Wimpertierchen kommt unabhängig vom Gehalt an organisch abbaubaren Substanzen im Wasser, vor. Allerdings heißt das auch, dass Cinetochilum margaritaceum kein guter Indikatororganismus ist, weil er eben überall vorkommen kann und unter viele verschiedenen Umweltbedingungen leben kann ist. Cinetochilum margaritaceum hat ein großes Nahrungsspektrum und ernährt sich von Bakterien, Algen und Detritus (=abgestorbenes organisches Material).

Litonotus cygnus ist ebenfalls kosmopolitisch verbreitet und ist v.a. im sogenannten ‚Aufwuchs‘ zu finden, also z.B. auf Pflanzen oder Steinen. Dort gleitet dieses lanzettförmige Wimpertierchen auf den Oberflächen dahin und ‚grast‘ den Belag bestehend aus Bakterien und Algen ab. Litonotus cygnus frißt aber auch andere Ciliaten, wie z.B. Glockentierchen. Dieses Wimpertierchen ist eine Zeigerart für die Gewässergüte II (=guter Zustand).

Die Gruppe der ‚pleurostomatiden‘ Ciliaten, zu der auch Litonotus cygnus zählt, waren in allen Proben die artenreichsten Gruppen. Diese Ciliaten sind sehr weit verbreitet und leben v.a. räuberisch im Aufwuchs. Die Arten dieser Gruppe sind schwierig zu identifizieren, deshalb weisen wir lediglich auf ihre dominante Präsenz hin.

Tab 1: Artenliste der gesammelten Wimpertierchen am Mond- und Attersee und Zuteilung zu Saprobienstufen hinsichtlich der Wasserqualität

saprobienindex

(Quelle:  http://www.guetersloh.de/Z3VldGVyc2xvaGQ0Y21zOjM1NjEy.x4s)

 

Wimpertierchen (Ciliaten), die im Zuge des Projekts Wasserleben in Mond- und Attersee gefunden wurden, Details siehe Tabelle 1 oben):

Verwendete Literatur, in der auch der Indikatorwert der einzelnen Arten angegeben wird:

Foissner, W., Blatterer, H., Berger, H. and Kohmann, F.: 1991, ‘Taxonomische und ökologische Revision der Ciliaten des Saprobiensystems–Band I: Cyrtophorida, Oligotrichida, Hypotrichia, Colpodea’, Informationsberichte des Bayer. Landesamtes für Wasserwirtschaft 1/91, 478 pp.

Foissner, W., Berger, H. and Kohmann, F.: 1992, ‘Taxonomische und ökologische Revision der Ciliaten des Saprobiensystems – Band II: Peritrichia, Heterotrichida, Odontostomatida’, Informationsberichte des Bayer. Landesamtes für Wasserwirtschaft 5/92, 502 pp.

Foissner, W., Berger, H. and Kohmann, F.: 1994, ‘Taxonomische und ökologische Revision der Ciliaten des Saprobiensystems – Band III: Hymenostomata, Prostomatida, Nassulida’, Informationsberichte des Bayer. Landesamtes für Wasserwirtschaft 1/94, 548 pp.

Foissner, W., Berger, H., Blatterer, H. and Kohmann, F.: 1995, ‘Taxonomische und ökologische Revision der Ciliaten des Saprobiensystems – Band IV: Gymnostomatea, Loxodes, Suctoria’, Informationsberichte des Bayer. Landesamtes für Wasserwirtschaft 1/95, 540 pp.

Foissner, W., Berger, H. and Schaumburg, J.: 1999, ‘Identification and ecology of limnetic plankton ciliates’ Informationsberichte des Bayer. Landesamtes für Wasserwirtschaft 3/99, 793 pp.

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